Der heilige Liudger

Die Kopfseite des schlichten Holzschreins aus dem Jahre 1909 zeigt den Abteigründer, den hl. Liudger im Bischofsornat, der die rechte Hand zum Segen erhoben hat. Foto: Nicole Cronauge


Um 742 bei Utrecht in den Niederlanden geboren, entstammte Liudger (in der lateinischen Form Ludgerus) einer friesischen Adelsfamilie. Von der Begegnung mit dem greisen Missionar Bonifatius beeindruckt, wollte er in seine Spuren treten und wurde bereits als Kind zur Erziehung in die Domschule von Utrecht übergeben. Nach weiteren Studien im englischen York empfing er am 7. Juli 777 in Köln die Priesterweihe. Seine ersten Missionsreisen unternahm Liudger in seiner Heimat Friesland.

Als er sich wegen eines Aufstandes zurückziehen musste, zog Liudger nach Italien und hielt sich zwei Jahre in Rom und Montecassino auf, dem Mutterkoster der Benediktiner, wo er die Regel des Mönchsvaters Benedikt studierte, ohne jedoch selbst die Mönchsgelübde abzulegen. Nach seiner Rückkehr ernannte Karl der Große ihn zum Missionsleiter der westfriesischen Gaue in den heutigen Niederlanden.

Nachdem er den altehrwürdigen Bischofstuhl von Trier ausgeschlagen hatte, um weiter als Missionar das Evangelium verkünden zu können, wurde er Missionsleiter des westlichen Sachsenlandes. Am 30. März 805 wurde Liudger schließlich in Köln zum ersten Bischof des zum Bistum erhobenen Missionsgebietes mit Sitz in Mimigerneford, dem heutigen Münster, geweiht. Er gründete Kirchen und Gemeinden, Klöster und Schulen und legte damit den Grundstein für das Leben der Kirche in unserem Land. Während zu dieser Zeit die Missionierung häufig mit machtpolitischen Auseinandersetzungen verbunden war, gelang es Liudger, durch sein begeisterndes und gewinnendes Wirken den Glauben in den Herzen der Menschen verankern.

Im Jahr 799 gründete Liudger an der Grenze zwischen dem bereits christlichen Frankenreich und dem sächsischen Missionsland das Kloster Werden an der Ruhr, heute ein Stadtteil von Essen. In diesem Kloster, das für ihn eine geistliche Zelle für seine weite Missionstätigkeit und ein Memorialkloster für seine Familie war, wurde Liudger seinem eigenen Wunsche entsprechend beigesetzt, nachdem er am 26. März 809 in Billerbeck gestorben war.

Liudger gehört zu den großen Heiligen der christlichen Frühzeit in Europa. Mehr als tausend Jahre lang hüteten die Benediktiner in der von ihm gestifteten Abtei sein Grab, und auch heute ist sein Wirken und seine Verehrung in Werden und anderen Orten, die mit seinem Leben in Verbindung stehen, sehr lebendig. Alljährlicher liturgischer Höhepunkt der Verehrung ist die auf ein Gelübde zur Bewahrung vor einer Hungersnot zurückgehende „Umtragung der Gebeine des heiligen Liudger“ am ersten Sonntag im September, bei der seit dem Jahr 1128 die Reliquien des Heiligen in einem Schrein feierlich durch Werden getragen werden. Neben der Gottesmutter Maria ist Liudger der zweite Patron des Bistums Essen.